Short Story | Tage wie dieser...

in #deutschlast year

Er sitzt in seinem Sessel. Eigentlich liegt er mehr. Im Aschenbecher qualmt noch der Rest einer Marlboro, die er zu müde ist auszudrücken. Das Bier in der Dose ist abgestanden und lauwarm, aber er wird es trotzdem noch trinken. Aus der Glotze quäkt irgendein Mädchen mit strähnigem Haar, das von ihrem Macker sitzengelassen wurde.
Alles so stumpf.
Warten.
Nur, worauf..?
Auf Schlaf. Schlaf ist immer gut. Schlaf lässt die Zeit schneller verstreichen, damit man am nächsten Tag wieder warten kann.

Als er die Dose Bier leert verzieht er nicht das Gesicht. Regungslos. Hinnehmend. Warum sich ärgern, das wäre Energieverschwendung. Außerdem gewöhnt man sich an alles. Na ja, an einiges nicht. Die Milch von Vorgestern war geschmacklich nicht mehr vertretbar, aber was trinkt man nicht alles, wenn der Weg zur Küche, die allmählich in dreckigem Geschirr und leeren Pizza-Kartons versinkt, so weit ist. Außerdem würde dann das volle Ausmaß mehrmonatigem Nichtstun ins Blickfeld rücken, und das muss ja nicht sein. Nicht hinsehen, dann muss man auch nicht dran denken.

Er hustet und schluckt den Schleim wieder runter. 'Ich sollte weniger rauchen', schießt es ihm durch den Kopf und greift im selben Atemzug nach der Schachtel Kippen. Auch schon wieder fast leer. Vier noch. Er seufzt und gibt sich Feuer.

Mit der rechten Hand streicht er über die Korth. 9mm. "Ein geiles Teil", hört er den Typen in Gedanken sagen, der ihm die Knarre letztes Jahr vertickt hat. Ja, ein geiles Teil. Müde zieht er ein letztes Mal an der Kippe, die bereits am Filter kokelt, und verbrennt sich die Lippe. "Scheisse auch", flucht er und fährt sich mit der Zunge über die schmerzende Stelle. Er lässt die glimmende Kippe in die leere Milchtüte fallen. Ein kurzes Zischen.

Er schmunzelt. 'Genieße jeden Tag, es könnte dein letzter sein.' "Tja ja..."

Er umfasst den Griff der Waffe, schiebt deren Lauf in den Mund und drückt ab.

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Anne posted wieder ? Ja ist denn schon Weihnachten?
Wobei die Geschichte selbst wenig weihnachtlich ist. Was ich nicht verstehe ist wie man emotional stiller werden kann bzw was das bedeutet ?
LG
Jan

Noch nicht.. ein paar Tage sind es noch.
Emotional stiller bedeutet für mich, dass Gedanken und Gefühle weniger nach außen getragen werden. Man macht die Dinge eher mit sich selber aus.

Monatelang nichts, und dann das. Echt knorke.
Auch wenn das Ende bereits nach der Hälfte abzusehen war.

Eigentlich bastel ich zur Zeit an einem Video... aber ich habe vorhin einen Blog von mir wiedergefunden.. und ich musste das einfach posten. Ich war damals freier in meinen Emotionen und Worten. Heute bin ich eher still mit dem, was mich bewegt und auch still stehen lässt. Bin emotional leiser geworden. Ich weiß nicht, was besser ist...

Das ist beides interessant.

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Hätte er mal lieber nen Tee getrunken...

Blöde Geschichte toll geschrieben 🙂👍

Grüße, Benny

Klingt nach mir.
Nur Bier trinke ich keines...

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