[DE] The dreamer becomes the dream.

in #deutsch3 years ago (edited)

Medienkompetenz, Medientheorie und Medienkritik

Im Grunde ist das Leben eine einzige Selbst-Schulung in Medienkompetenz. Objektivität ist eine rare Ware geworden. Film und Fernsehen überfrachten uns mit Informationen. Ich frage mich wirklich oft, wer oder was uns noch Orientierung geben kann.

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Die Antwort ist aber eigentlich ganz einfach: nur wir selbst. Doch ganz allein geht es auch wieder nicht. Dennoch denke ich, dass der letzte Impuls immer aus unserer eigenen Empfindung kommen muss. Die ("absolute") Sicherheit darüber, wie vertrauenswürdig eine Information ist, sollte nicht aus einer fremden Quelle stammen. Zumindest dann, wenn wir uns als Betrachter vom Betrachteten distanzieren möchten.

Medienkompetenz ist ein Stichwort und tritt häufig zusammen mit der Medienkritik auf. Letztere halte ich für besonders wichtig. Selbstverständlich kommt Medienkritik aber nicht ohne Medienkompetenz aus, also die Fähigkeit, das, was auf uns einprasselt, zu analysieren.

In den vergangenen 2 Wochen habe ich viel über den Film Mullholland Drive nachgedacht. Siehe Teil I, II und III. Er hat mich ein Stück weit in meine Studienzeit zurückgeholt. Ich erinnere mich noch wie ich in einer Einführungsveranstaltung zum Studiengang Theaterwissenschaften saß. Der Dozent erzählte mit leuchtenden Augen wie großartig der Film sei.

Er war mir damals komplett unbekannt. Dem Rest der Zuhörer wohl auch. Dementsprechend enttäuscht war der Dozent darüber, dass kaum jemand seine Faszination teilte. Ich erlebe übrigens bis heute, dass einige dem Film rein gar keine Genialität abgewinnen können.

Zurück zum Thema. Ich möchte in dem Artikel ein bisschen auf die Bedeutung der Medienkritik aufmerksam machen und ein bisschen die Möglichkeiten ausloten, die sie uns bietet.

Als erstes ist eine grundlegende Unterscheidung wichtig: Medienkritik gibt es nämlich sowohl im redaktionellen/populärwissenschaftlichen als auch rein wissenschaftlichen Kontext. Das liegt daran, dass sowohl Formate wie Fernsehkritik-TV als auch eine ganze wissenschaftliche Fachrichtung diesen Begriff für sich beanspruchen.

Erstere sind aus meiner Sicht eher kleinliche Beobachter, die gerne den Finger in die Wunde, z. B. einer schwachen Berichterstattung, legen. Sozusagen die Veröffentlichung und Diskussion einer Programmbeschwerde. Sie analysieren Medienbeiträge kritisch und konzentrieren sich vor allem auf die Frage, ob der Berichterstatter sein Handwerkszeug versteht.

Die wissenschaftliche Medienkritik geht etwas weiter. Sie kritisiert auf der Grundlage einer bestimmten Theorie bzw. Methode. Eine Frage, die sie häufig untersucht lautet, welche Welt bzw. Weltsicht der Medienbeitrag vorschlägt. Das kann sie zum Beispiel mit einem dekonstruktiven Verfahren oder angesichts einer bestimmten Ideologie (z. B. der Patriarchatskritik) tun. Natürlich ist die Anwendung eines bestimmten Verfahrens immer neutraler bzw. objektiver als eine Ideologie.

Vor kurzem bin ich auf ein interessantes Zitat gestoßen: "Die Überzeugung für einen Glauben muss proportional zu den Beweisverfahren sein, die sie stützen." (Francis Bacon, 1620) Ich habe es von Joscha Bach, der es in seinem Beitrag auf dem 35c3 ansprach.

Es macht aus der wissenschaftlichen Medienkritik eine Tautologie: Um zu wissen, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist oder nicht, brauche ich erst ein wissenschaftliches Beweisverfahren, das Bacon's Anspruch erfüllt. Aus dieser Sicht ist es vielleicht besser, nicht die Theorie, sondern das Phänomen (den Beitrag und seine Aussage) zu analysieren. Das Ganze wird immer mehr zum ontologischen Problem.

Und wenn wir uns nicht vom Betrachteten distanzieren und eher eine esoterische Position einnehmen? Dann sind wir sowohl Teil des Problems als auch der Lösung. Die Weltsicht, die wir dem Medium zusprechen, hängt dann nämlich auch von unserer Weltsicht ab. Unsere Sicht auf die Welt hat dann Einfluss auf unser Urteil über die Weltsicht des Mediums.

The dreamer becomes the dream.

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11.01.2019 UTC + 1

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