Ein Leben mit Depressionen und PTBS

in #deutsch4 years ago (edited)

Vorwort: Es fällt nicht leicht, diesen Artikel zu schreiben, da es mich selbst und meine Krankheit betrifft.
Ich versuche es so sachlich und verständlich wie möglich zu schreiben.
Ich beabsichtige hiermit nicht, Mitleid zu erwecken oder Ähnliches.

Ein schöner Frühlings-morgen. Die Sonne lacht am strahlend blauen Himmel, die Vögel singen ihr Lied. Wieder ein vielversprechender Tag.
Doch ich verstecke mich unter meiner Decke. Schon seit zwei Tagen schaffe ich es nicht unter Leute zu sein. Selbst die Einladung zur Geburtstagsfeier meines besten Freundes am Wochenende habe ich abgelehnt.
Ich weiß, dass es schlecht ist mich zu verstecken, doch finde ich nicht die Tür aus meinem Schneckenhaus. Kaum darüber nachgedacht, beginne ich zu weinen.
Es ist wieder einer dieser Tage, an denen ich mich Frage, warum zum Henker ich mir eigentlich die Mühe mache, zu meinem Psychologen zu gehen, oder mir jeden Tag dieses sch*** Antidepressivum zu schmeißen, wenn es doch alles nichts hilft.

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Solche Tage gibt es viele in meinem Leben. Seit meiner Jugend leide ich an PTBS und damit einhergehende Depressionen.

Doch bevor die Frage aufkommt: Was ist PTBS?

PTBS bedeutet: Posttraumatische Belastungsstörung. Sie tritt als eine verzögerte psychische Reaktion auf ein extrem belastendes Ereignis z. B. eine Situation extremer Bedrohung oder katastrophenartigen Ausmaßes auf. Die Erlebnisse können von unterschiedlicher Dauer sein. Beispiele hierfür sind schwere Unfälle, Gewaltverbrechen, Naturkatastrophen oder Kriegshandlungen, wobei die Betroffenen dabei Gefühle wie Angst und Schutzlosigkeit erleben und in Ermangelung ihrer subjektiven Bewältigungsmöglichkeiten Hilflosigkeit und Kontrollverlust empfinden. Doch oft können auch länger erlebte Probleme in der Kindheit zu einer solchen Erkrankung führen.

Bei mir ist es die Kindheit. Meine Eltern sind Alkoholiker. Zudem kommt noch das mein Vater, sehr aggressiv und gewalttätig wurde, wenn er ein bestimmtes Alkohollimit überschritten hatte. Ohne erkennbaren Grund prügelte er auf mich und meine Mutter (später dann auch auf meine jüngeren Brüder) ein. Noch heute trage ich eine große Narbe aus meinem 14. Lebensjahr, auf meinem Rücken.

Mit Geburt meiner Brüder (1991 und 1998) kam hinzu, dass mir quasi die Kindheit gestohlen wurde. Denn neben dem, dass ich selbst Schule u. ä. auf die Reihe kriegen musste, musste ich nun auch noch für diese da sein und sie schützen.

Wie wirkt sich das ganze aus?

(Ich betone noch einmal, dass ich hier vor allem aus meinen eigenen Erfahrungen spreche.)

Antriebs- und Lustlosigkeit sind, genau wie Schwierigkeiten sich auf Dinge zu konzentrieren, sind nur ein kleiner Teil der (bei mir) auftretenden Symptome. Immer wieder werde ich in Träumen, bis in meine frühste Kindheit zurückversetzt. Höre, fühle und erlebe alles immer und immer wieder. Ich wache schweißgebadet und weinend auf und brauche immer sehr lange um mir klar zu werden, dass es nur ein Traum war und dies alles schon lange zurückliegt.

Ich habe durch die Erlebnisse ein, krankhaftes Problem mit Autorität. Bitte nicht falsch verstehen, ich bin kein Rebell oder so, aber es fällt mir sehr schwer, mir von anderen sagen zu lassen, was ich zu tun und zu lassen habe. Aus diesem Grund und durch die ganze Krankheit resultierenden psychosomatischen Probleme, musste ich meine Ausbildung zum Mechatroniker, nach nur einem Jahr abbrechen. Ebenso, war die Zeit bei der Bundeswehr (ich habe trotz allem meinen Grundwehrdienst geleistet) die Hölle.

Dies und eine angeborene Rückenerkrankung, haben nun mehr dafür gesorgt, dass ich heute, mit grade mal 32 Frührentner bin.

Viele Menschen in meinem Umfeld nehmen mich als lebenslustigen und witzigen Menschen war, doch vieles davon ist blanke Fassade um mich selbst zu schützen.
Die Angst vor Unverständnis und Ablehnung sind sehr groß. Hinzu kommt ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Sitze ich zum Beispiel mit Leuten zusammen und zwei davon flüstern miteinander, ohne das ich etwas verstehe, so kommt es nicht selten vor, dass in mir das Gefühl aufkommt, dass die Personen negativ über mich reden. In den meisten Fällen versuche ich diese Gedanken zu verdrängen, doch es kommt gelegentlich vor, dass ich nachfrage, vorüber diejenigen Gesprochen haben.
Oft ecke ich bei Leuten an, denn mein Verhalten wird dann als nervig und neugierig empfunden.
Ich weiß, dass es so rüber kommt, doch es ist wie ein Zwang, dass ich mir Gewissheit verschaffen muss.

Des weiteren fällt es mir oft schwer an Dingen festzuhalten. Habe ich ein neues Hobby entdeckt, so stürze ich mich oft mit großem Eifer und voller Freude daran, doch nach kurzer Zeit bleiben solche Sachen unbeachtet liegen. Ich schaffe es dann nicht mehr, mich dafür zu begeistern oder es als sinnvoll zu empfinden. Nur das Schreiben von Geschichten ist mir nun schon seit langer Zeit ein treuer Begleiter.

Derzeit bin ich auf der Suche nach einem geeigneten Psychologen, doch die Wartezeiten sind fast unmenschlich und wenn man wie ich, weder Auto, noch Führerschein hat und somit auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, ist das Umfeld, in dem man nach einem Arzt bzw. Psychologen suchen kann, doch sehr begrenzt.

Ich wollte mit diesem Post einen kleinen Einblick geben. Vielleicht schreibe ich, noch etwas über den Alltag mit dieser Erkrankung.
Es fällt einerseits nicht leicht, darüber zu schreiben, andererseits wirkt es doch ein wenig befreiend.

Wenn es unter euch, jemanden gibt, dem es genauso geht, dann habe ich hier ein kurzes Zitat, eines unbekannten Verfassers, das mir immer Mut gemacht hat. Es ist zwar auf Englisch, aber ich finde, es ist trotz allem verständlich.

You're not lazy because depression makes it hard to function.
You're not a bad friend if anxiety makes you want to skip plans.
You don't have to be healthy all the time - you don't need to overachieve to have worth.

Danke für's lesen

Gruß
Euer Celtic

(Bildquelle: pixabay.com Freie Nutzung, keine Namensnennung erforderlich)

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Danke für den Artikel .Es braucht grossen Mut dazu.Wünsche dir das es dir bald besser geht.lg

Danke, ich nehme auch jede Hilfe die ich bekommen kann. Wenn man sich darauf ausruht und resigniert, kann man nur verlieren.

Danke Für den Artikel

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