Obadja

in #deutsch2 years ago

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Obadja schrieb das kürzeste Buch im Alten Testament, das nur 21 Verse hat.Auf den ersten Blick sieht es nicht sehr vielversprechend aus.Es beinhaltet eine Reihe von Gedichten zum göttlichen Gericht über die Menschen aus dem antiken Edom.Das war ein Nachbarland von Israel auf der anderen Seite vom toten Meer.Hier geht es aber noch um viel mehr.Also fangen wir einfach mit der Vorgeschichte an.

Das Volk der Edomiter war einzigartig, denn sie hatten den gleichen Stammbaum wie die Israeliten.Beide gehörten zur Familie von Abraham, der mit seiner Frau einen Sohn namens Isaak hatte.Isaak hatte mit seiner Frau Rebekka die beiden Söhne Jakob und Esau.Im Buch Genesis wird die Geschichte dieser beiden Brüder erzählt, um's mal vorsichtig auszudrücken: sie hatten eine angespannte Beziehung.Später bekamen sie den Namen Israel und Edom, die schließlich zu den Namen der Familien wurden, die von ihnen abstammten.Diese Familien durchlebten genau die gleiche schwierige Beziehung ihrer Vorfahren.

Über die Jahrhunderte gab es enorme Spannungen zwischen Israel und Edom.Trotzdem teilten sie immer noch diese familiäre Bindung.In den tragischen Ereignissen von Babylons Sieg über Jerusalem wurde diese Verbindung betrogen und zerstört.Als Israel von Babylon überrannt und erobert wurde, nutzte das Volk von Edom die Gelegenheit, andere israelitische Städte zu plündern.Sie griffen israelitische Flüchtlinge auf und töteten sie sogar.In anderen prophetischen Büchern hat Gott Israels Nachbarn für diese Art von Gewalt zur Rechenschaft gezogen.

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Das gleiche tut Obadja hier für Edom.Das kurze Buch hat zwei Hälften.Der erste Teil ist eine Reihe von Anschuldigungen gegen die Anführer von Edom, besonders mit Blick auf ihren Stolz und ihre Überheblichkeit.Sie glaubten wirklich, dass sie den Israeliten überlegen waren - im wörtlichen Sinn:als sie oben in den Felsen der Wüste lebten, aber auch metaphorisch gesehen.

Dieser Stolz brachte die Edomiter dazu, nicht nur untätig bei Jerusalems Zerstörung durch Babylon zuzusehen, sondern aktiv daran teilzuhaben.Und so sagt Gott durch Obadja, dass Edom auf den Boden zurückgeholt und zerstört werden wird.Was sie Israel angetan haben, wird ihnen jetzt auch angetan.Und gerade als man denkt, mehr über Edoms Schicksal zu erfahren, verändert sich in Vers 15 plötzlich das Thema.Wir lesen:"Der Tag des Herrn für alle Völker kommt bald!"Warum ändert sich der Blick plötzlich von Edom auf alle Nationen?

Dieser Vers ist wie eine Brücke.Sie verbindet die erste Hälfte des Buches mit der zweiten Hälfte, in der Obadja den Tag des Herrn ankündigt; aber nicht nur für Edom.Er erweitert seinen Blick hier auf alle Nationen.Er sagt, dass alle stolzen Nationen, die wie Edom handeln, auf die gleiche Weise Gottes Gerechtigkeit erfahren werden.Sie werden aus ihren stolzen Höhen fallen und in den Ruin getrieben.Diese beiden Abschnitte, der eine über Edom und der andere über alle Nationen, zeigen uns, warum sich Obadja so sehr für Israels winzigen Nachbarn im Süden interessierte.

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Er sieht Edoms Stolz und Untergang als Beispiel.Es zeigt, wie Gott sich eines Tages dem Stolz aller Nationen entgegenstellt, und auch ihren Untergang herbeiführen wird.Es ist kein Zufall, dass auf hebräisch das Wort "Edom" mit den exakt gleichen Buchstaben geschrieben wird, wie das Wort "Menschlichkeit", auf hebräisch "Adam".Im Buch Obadja ist Edoms Aufstieg und Untergang ein Gleichnis davon, wie Gottes Gerechtigkeit eines Tages Stolz und Gewalt in allen Nationen am Tag des Herrn bekämpfen wird.

Wie bei allen Propheten ist Gottes Urteil niemals sein letztes Wort.Erinnere dich an die Schlussfolgerung in beiden Büchern, die vor Obadja stehen:Joel und Amos. Joel hat bildhaft beschrieben, was nach dem Tag des Herrn gegen alle Nationen passieren wird.Er sagte, dass Gott in Jerusalem einen neuen Erlösungsakt durchführen würde und alle, die sich demütigen und ihm zuwenden, befreit werden.

Amos sagte in seiner Schlussfolgerung, nachdem am Tag des Herrn über das Böse in Israel gerichtet wurde, würde Gott das Geschlecht Davids und ein neues Königreich für Israel aufbauen.Dazu zählten dann auch Edom und alle Nationen, die auf seinem Namen hören.Deshalb steht das Buch Obadja direkt hinter Joel und Amos, um genau diese Versprechen zur Hoffnung auf Gottes Reich über alle Nationen zu erweitern.Und so endet das Buch mit einer sehr hoffnungsvollen Zukunft.Gott sagt, dass er sein Königreich über das neue Jerusalem wiederherstellen wird, und dass er es mit einem treuen Überrest wieder bevölkern wird.

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Von dort wird sich dann Gottes Königreich über alle Gebiete und Nationen rund um Israel ausbreiten.Und so trägt dieses kleine Buch zum großen Bild von Gottes Gerechtigkeit und Treue bei, die wir in den Propheten wiederfinden.Der alte Stolz und der Verrat der Menschen in Edom werden zu einem Beispiel für die größere Situation der Menschheit.Es zeigt, wie wir uns in Gottes guter Welt gegenseitig betrügen und verletzen.

Glücklicherweise gibt es Hoffnung, sagt Obadja.Edoms Untergang verweist auf den Tag, an dem Gott das Böse in der Welt bekämpfen wird, aber auch sein heilendes Königreich des Friedens über alle Nationen bringen wird.Und darum geht es im Buch Obadja.