ST. Vincent & Grenadines – alte und neue Bekannte (3/14)

in #deutsch3 months ago

Der erste Ausflug führt mich auf vertrauten Wegen einmal komplett um die Admiralty Bay und dabei durch die sehr kleine aber niedliche Inselhauptstadt Port Elisabeth. Per Dinghy setze ich zum Princess Margarete Beach über und schon beim Anlegen fällt es mir wieder ein, dass das neue hölzerne Jetty vor Jack‘s Bar zwar sehr schön aber für Dinghys völlig ungeeignet ist, es ist genau so hoch, dass bei Niedrigwasser die Gummiboote unter den Steg treiben und von den Wellen darunter eingeklemmt werden. Kurzerhand ziehe ich unser Bötchen samt Maschine an den Strand, zum Festmachen muss ein großer Baumstamm reichen. Dass hier im Moment etwas gestohlen wird, kann ich mir kaum vorstellen, es ist niemand, absolut keine Menschenseele weit und breit zu sehen. Den Bellmond Walkway bin ich schon bei unserem ersten Aufenthalt mehrmals und sehr gerne entlang spaziert. Anfangs als hölzerner Steg direkt über dem Wasser gebaut, führen kurze Zeit später ein paar Stufen über die Klippen und bieten einen herrlichen Ausblick auf die Bucht und die gegenüberliegenden Ortsteile Pretoria und Hamilton. Weiter geht es durch ein lichtes Wäldchen wieder hinunter zum breiten, weißen Plantation Beach. Ganz ruhig und gemächlich rollen sanfte Wellen an, der Sand schimmert von rosa über goldgelb und himmelblau. Wie für ein Hochglanzmagazin arrangiert, wiegen sich Palmen sachte im Wind, Krabben huschen über den Strand – und wieder ist kein Mensch zu sehen. Die letzten Meter bis zur Stadt führt der Steg wiederum direkt über die Wasserlinie vorbei an Bars, Cafes und Restaurants. Würden nicht immerhin Fische neben mir im Wasser schwimmen, könnte man das fast für eine apokalyptische Szene halten: eben war noch alles voller Leben und nun sind sämtliche Menschen verschwunden. Die meisten Bars und Restaurants haben tatsächlich geöffnet, es stehen zumindest überall Tische und Stühle draußen aber es sind weder Gäste noch Angestellte zu sehen.

Im Gingerbread sehe ich dann doch aus den Augenwinkeln eine Person hinter dem Thresen in Richtung Küche huschen und ich frage, ob denn geöffnet sei. Ja, natürlich, ich solle aber bitte draußen Platz nehmen und nicht so dicht in den kleinen Verkaufsraum kommen …. ohkee?! Als mir kurze Zeit später mein Kaffee und ein unglaublich leckeres Stück Kuchen – Gingerbread, was sonst – an meinen Platz unter dem Mandelbaum mit Blick auf die Bucht serviert wird, frage ich, was denn das Problem sein. Nun, vor einer knappen Woche landete ein Flugzeug aus Miami in St. Vincent, mit an Bord 6 coronainfizierte Passagiere von denen wiederum drei nun auf Bequia sind, prima! Bei insgesamt nur 6.000 Einwohnern liegt die Toleranzgrenze bei genau 3 Infizierten, kommt ein weiterer Fall hinzu würde erneut ein Lockdown verhängt. Die Menschen hier fürchten sich davor verständlicherweise sehr, noch mehr aber vor dem Virus und somit auch erst mal vor allen Fremden. Ich erkläre dem netten und sichtlich besorgten Herrn, wie die Einreiseprozedur in St. Vincent inklusive negativem Testergebnis von Statten ging und dass wir auf direktem Weg von einer Covid-freien Insel kommen. Sichtlich erleichtert nimmt er sogleich seine Maske ab und dann sprudelt es auch schon aus ihm heraus, wie immens der Tourismus durch die Pandemie leidet. In dieser Jahreszeit würden die Geschäfte auch so nur wenig abwerfen aber dieses Jahr habe der Einbruch eben schon im März mit dem Ausbruch der Pandemie begonnen. Statt 7 guter Monate waren es somit nur drei, die nun für ein Jahreseinkommen reichen müssen. Die gedrückte, ja fast verängstigte Stimmung ist dann auch in der Stadt zu spüren. Liegt es nur an der Mittagshitze oder daran, dass eben doch Nebensaison ist? Oder ist tatsächlich der neuerliche Coronaausbruch daran schuld? Es ist jedenfalls auffällig still in der Stadt, von dem bunten, quirligen und geschäftigen Treiben wie wir es im Februar erlebt haben ist nichts zu sehen. Auch wenn das gelegentlich agressive Bewerben von Obst und Gemüse oder handgemachten Krimskrams manchmal schon sehr genervt hat, hier vermisse ich es schon fast, man fühlt sich ein wenig wie ein Aussätziger.

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