ST. Vincent & Grenadines – alte und neue Bekannte (8/14)

in #deutsch3 months ago

Und so vergeht fast unbemerkt auch die zweite Woche auf Bequia, wohlgemerkt, wir wollten nur „kurz“ bleiben. Die Gegend um die Admiralty Bay kenne ich inzwischen wie meine Nachbarschaft daheim in Dresden. Einzig die Kontakte zu den Einheimischen sind noch immer spärlich. Man nimmt wenig bis gar keine Notiz von uns und bleibt eher unter sich. Um ehrlich zu sein, in diesen Tagen überkommt mich doch immer wieder eine Art Wehmut, fast schon Sehnsucht nach Dominica. Die Gastfreundschaft, das gegenseitige Interesse, das Erzählen und Erfahren von Geschichten, ich vermissen den Kontakt zu den Menschen mehr als gedacht. So schön das Inselchen ist, den Reiz einer Reise bestimmen dann wohl doch mehr die Leute als nur das Land. Mit 18 km² ist Bequia zwar die zweitgrößte Insel des Inselstaates SVG, aber insgesamt recht überschaubar. Den Nordosten habe ich bisher noch nicht gesehen und so mache ich mich eines vormittags auf den Weg in Richtung Spring und Sugar Reef. Zur anderen Seite der Insel führt nur eine einzige Straße, für eine halbe Stunde geht es gemächlich bergan. Kurz darauf breitet sich der Atlantik weit vor mir aus und verschmilzt irgendwo mit dem Horizont. Das Meer ist noch immer aufgewühlt, an vorgelagerten Riffen und Klippen brechen die Wellen und schlagen schäumend in die Spring Bay. Große rostrote Teppiche aus Seegras wabbern auf den Wellen, am Strand schließlich türmt sich das Treibgut in dicken und vor allem stinkenden Haufen auf. Der Unterschied zwischen Leeward und Westward Coast könnte nicht größer sein. Während die geschützte weil windabgewandte Ostküste feine, weiße und ruhige Sandstrände bietet, kann sich hier an der windzugewandten Westküste der Atlantik richtig austoben. Die wenige Palmen am Strand sehen arg zerfleddert aus, es liegt viel Treibholz umher, dazwischen leider auch Müll, Plastik, Netze und Tauwerk. Ein rauer, ursprünglicher Ort der nicht unbedingt zum Sonnenbaden oder Planschen einlädt. Die Tierwelt scheint das wenig zu stören, jede Menge Vögel, Krabben oder Schmetterling kann man hier am Ufer und dem angrenzenden Sumpf stundenlang beobachten.

In der Industry Bay, meinem eigentlichen Ziel für heute, zeigt sich das gleiche Bild. Raues Wetter, rauer Atlantik, Seegras im Überfluss, Möwen die im straffen Wind Kunststücke vollführen. Die Schildkrötenaufzuchtstation, der einzige Grund bis zur Industry Bay zu gehen, ist verwaist. Kein Mensch zu sehen oder zu hören. Statt dessen werde ich von einer Schar Hunden begrüßt, die keinen so entspannten Endruck machen. Laut kläffend und knurrend umringen mich plötzlich ein paar „Fußhupen“ gefolgt von den größeren „Brüdern“. Wir haben uns zwar vorsorglich gegen Tollwut impfen lassen, aber auf einen Hundebiss will ich es hier draußen auch nicht ankommen lassen. Statt einer Besichtigung der Anlage, von der ich im Nachhinein aber auch nur Schlechtes gelesen habe, trete ich vorsichtig den Rückzug an und lasse die kläffende Meute dabei nicht aus den Augen.

Was nun, der Tag ist noch jung, ein neues Ziel muss her. Zurück in der Spring Bay wird mir ein Aussichtspunkt gleich in der Nähe angezeigt. [Ich nutze die Gelegenheit einfach mal um kurz Werbung zu machen: für meine Wanderungen und Entdeckungstouren nutze ich die Maps.me- App, super leicht zu handhaben, kostenlos und werbefrei. Die sehr detaillierten und noch dazu sehr genauen Wanderkarten lädt man einfach in der App und kann damit auch offline navigieren. Funktioniert super!] Nördlich der Spring Bay erhebt sich Holler Point, ca 1.5 km und 300 m den Berg rauf. Kurzer Blick auf die Uhr: passt mal wieder perfekt – es ist 13:30 Uhr, heißer wird es heute nicht mehr. Nach 20 min Schniefen und Schnaufen und gut einem Liter Wasser zwischendurch stehe ich auf dem zweithöchsten Punkt Bequias - eine Wahnsinns-Aussicht! Auf dem Plateau wurde der Spring View Park errichtet von dem man weit bis über die gesamte Insel schauen kann. Im Norden breitet sich St. Vincent vor mir aus, scheinbar nur einen Steinwurf entfernt. Eine kleine Besuchergruppe ist mit mir am Aussichtspunkt und eine der Damen lebt offensichtlich hier auf Bequia. Sie erzählt gerade die Geschichte von Ursula … eine schaurig schöne Erzählung, die sich hier vor reichlich 10 Jahren zugetragen hat. Die Geschichte ist lang und tragisch (im Video gibt es die ganze Story) und daher ist Ursulas Name für immer hier oben in einen von den Ureinwohneren platzierten Stein gemeißelt.

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Krasse Bilder die Ihr uns wieder mitgebracht habt. Der Baum der im Wind steht (sieht so aus) fantastisch. Die Vögel die sich auf den Ast niederlassen und noch ein paar in der Luft sind kurz vor der Landung fantastisch. Die Palmen so hochgewachsen, wir selten gesehen fantastisch.

LG Michael

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