Warum Wrestling doch nicht so doof ist

in Deutsch D-A-CH10 months ago

Eine Erkenntnis, eine Lektion

So gerne ich mich lieber auf die Welt um mich herum beziehe und Bilder zusammen mit Text als Beitrag verarbeite, muss ich mir jetzt etwas aus den Fingern saugen. Mein Vorrat an Bildern/Videos geht zur Neige und in Malaysia darf ich nicht raus aus der Bude. Hinaus aus dem Haus darf nur, wer Einkaufen muss oder zum Arbeitsplatz aufbrechen will.

Worum geht es?

Dieses Video hat mich dazu animiert, tiefgründiger über Wrestling nachzudenken:

Warum ich Wrestling überhaupt nicht toll fand

Da haben wir zwei Kontrahenten die aufeinander einprügeln, ohne Sinn und Verstand und als ob das nicht genug wäre, ist das alles auch noch Fake. Die Begeisterung der Fans für diesen "Sport", konnte ich nie nachvollziehen. Das erschloss sich mir nicht im geringsten.

The Empty Arena

Nach all den Jahren tiefster Abneigung gab es so etwas wie die Erleuchtung. Wie erwähnt, hat das YouTube Video – The Empty Arena vom Channel Renegate Cut dazu beigetragen. Einfach beschrieben geht es in dem Video um Wrestling-Matches, die ausschließlich zur Übertragung ins Fernsehn gedacht waren oder immer noch sind. Diese Matches finden vor keinem Live-Publikum statt. Die Arena bleibt leer.

Die Erkenntnis

Das Video behandelt nicht nur das Problem der leeren Arena, sondern erklärt ein wenig mehr zum Thema Wrestling und führte mich dazu, Wrestling nicht nur als Sport wahrzunehmen, sondern als Theater, eine Aufführung. Und siehe da, jetzt konnte ich damit Arbeiten. Hätte ich mich doch früher auf diesen Gedankengang eingelassen und nicht ständig eine automatisierte ablehnende Haltung gepflegt.

Das vorhandene Skript, die zwei Kontrahenten, welche die klassischen Rollen des Helden und Bösewichtes einnehmen, sind soweit nichts besonderes und das offensichtliche hier. Der Aha-Effekt steckte wie immer im verborgenen.

Wie ein Magier, der dir nur zeigt, was du sehen sollst

Wer an Wrestling denkt, könnte solch eine Szene im Kopf haben: Einer der Kämpfer wälzt sich wegen der (angeblich unerträglichen) Schmerzen auf dem Boden, während der andere die Arme hoch schmeißt und die Stimmung anheizt. Das, so lernte ich, sind nichts anderes als eingeplante Pausen. Im Gegensatz zum Boxen oder anderen Wettkämpfen gibt es keine Runden, die zeitlich begrenzt sind. Ein Match geht über mehrere Minuten, solange bis es zu Ende ist. Damit niemand schlapp macht, kommen die getarnten Pausen ins Spiel.

Während dessen hat der Ringrichter seine ganz eigene Rolle als Vermittler für die nächsten Aktionen. Er gibt Informationen vom Protagonisten zum Antagonisten und vice versa. So bin ich darauf gekommen bei YouTube nach "how does wrestlers communicate with each other" einzugeben. Bzw. Ich musste es nicht komplett ausschreiben, scheinbar gibt es genug Menschen, die das wissen wollen und nur nach den ersten drei Wörtern kam der Rest als Vorschlag. Bedeutet, was im Ring passiert ist gut genug gemacht, um nicht offensichtlich zu sein. Die Menschen wollen mehr wissen. Die Tricks herausfinden.

Das Publikum und die Verbindung zur leeren Arena

Das Publikum ist extrem wichtig. Wer Protagonist und Antagonist ist, mag anfangs festgelegt sein. Doch was ist, wenn das Publikum den Köder nicht schluckt? So wie ich es verstanden habe, wird mit der Show versucht das Publikum ein wenig zu lenken. Zustimmende Rufe oder ablehnendes ausbuhen kann die Kontrahenten dazu veranlassen die Rollen zu tauschen oder gewisse erzeugte Momente ein wenig länger aufrechtzuerhalten und weiter anzuheizen.

Feedback ist alles!

Daraus leiten sich verschiedene Probleme ab, wenn der Kampf nur für das Fernsehn bestimmt ist. Ist der Moment gekommen für die kleine Pause, wirkt es unnatürlich, wenn ein Wrestler sich vor Schmerzen am Boden windet und der andere jubelnd durch den Ring läuft. Die Funktion Stimmung zu erzeugen entfällt. Auch kann die Show damit nicht flexibel einer Stimmung angepasst werden. Es kann nur strikt einem Skript gefolgt werden ohne weitere Dynamik.

Vielleicht ist gerade deshalb Wrestling so ein Riesenspektakel für die Zuschauer. Die ganze Show passt sich dem Publikum an und dieses bekommt dadurch genau das, was es will. Das Publikum gewinnt den Eindruck indirekt am Kampf beteiligt zu sein.

Die Lektion

Ich denke, ich könnte mehr Details aus dem Video hier wiedergeben. Nur will ich mich nicht zu viel daran bedienen. Wer möchte, kann sich das ganze Video selber ansehen. Zur Veranschaulichung worum es geht, sollte es reichen. Die Lektion, welche ich daraus gelernt habe, ist universell.

Wie einfach es doch ist über etwas zu urteilen. Meine Meinung über Wrestling musste ich revidieren. Die nicht vorhandenen Informationen haben mich alles aus einem falschen Blickwinkel betrachten lassen. Engstirnigkeit gab mir den Rest. Ich war zugegebener Maßen auch nicht weiter daran interessiert mehr erfahren zu wollen. Als Sport kann ich Wrestling weiterhin nicht ernst nehmen, aber als Show und Kunst. Mein Respekt für die erbrachten Leistungen. Hätte sogar Lust bei einem Event dabei zu sein.

Die Frage, die sich mir jetzt stellt - ist, wo habe ich ähnlich gehandelt? Wo habe ich genau so geurteilt? Wo liege ich falsch, nur weil mir Informationen fehlen? Wo noch, könnte eine komplett andere Meinung zum Vorschein kommen, wenn ich die Details kenne?

Lustig, wie etwas völlig banales mich tiefgründiger denken lässt. Vom Wrestling zu einer universellen Frage. Eigentlich sollte die Lektion nichts Außergewöhnliches sein. Jeder hat es sicher schon zu hören bekommen: Zuerst mit einem Thema auseinandersetzen, dann urteilen. Bin gespannt wie lange ich mich selber an die Lektion erinnere.

Jung, du bist spät dran

Mag sein, dass ich mit meiner Erkenntnis, auf das Wrestling bezogen, spät dran bin. Ich habe mich halt nie mit Wrestling weiter auseinandergesetzt. Trotzdem schön spätestens jetzt mehr zu wissen. Danke Internet. Für weitere Überlegungen hatte es auch gereicht. Zuerst schien es so oberflächlich, dann wurde es tiefgründig. Ich bin zufrieden. Bis dann!



Grüße aus Malaysia! | Greetings from Malaysia!

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Ich habe zwar Wrestling schon immer gemocht und früher viel geschaut, aber das mit den Pausen war mir nicht bewusst. Danke für diese neue Erkenntnis und die wertvolle Lektion.

Ist schon interessant, ja. Auch wenn ich mich jetzt nicht zum großen Fan weiterentwickeln werde :)

und nicht ständig eine automatisierte ablehnende Haltung gepflegt

Tja, das passiert uns allen und in allen möglichen Bereichen. Wenn man sich mal entschieden hat, setzt das Unterbewusstsein Himmel und Hölle in Bewegung, die eigene Meinung zu stützen. Kann es das auf Grund der Faktenlage nicht mehr, markiert es die Fakten sogar als "falsch" oder gar "Lügen". Sehr fatal, besonders wenn es um Menschen geht. Bei sowas wie Wrestling ist der Schaden doch eher überschaubar.

Ich bin keine Sportskanonone und mag keinen Sport, vor allem nicht auf dem Bildschirm. Meine Grundeinstellung ist aber, wenn es den Leuten Spaß macht, Unterhaltung bietet, und Leute ihren Lebensunterhalt damit verdienen können, ist es in Ordnung, innerhalb ethischer Grenzen. Das gilt natürlich auch für Wrestling.

LG und bleib gesund!

vor allem nicht auf dem Bildschirm.

Ich eigentlich auch nicht. Nur bleibt im Moment keine andere Möglichkeit. Fußball z.B. habe ich ausschließlich nur im Stadion geschaut. Da konnte sogar eine WM spurlos an mir vorüber gehen.

Steem on und weiter viel Erfolg...

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