Manchmal ist Schwarz-Weiss das schönere Bunt

in WORLD OF XPILAR2 months ago (edited)

B&W PHOTOGRAPHY - WEEK #066

Hardere nicht mit dem, was du nicht hast!

Erfreue dich an dem WAS du hast.

Hat er immer gesagt, einer der ehemaligen weitläufigen Nachbarn meiner ersten Anlauf- und festen Wohnstelle hier in Paraguay. Im Hintergrund sieht man den Asphaltweg. "Asphaltanschluss" bedeutet, dass ein Grundstück mit jedem Laufenden Meter an einer gut asphaltierten Strasse, teurer wird. Sowohl im Kaufpreis, als auch bei der Grundsteuerberechnung. Je nach Region ist das komplett verschieden. Aber eins haben viele aus diesem Grunde gemeinsam - oft sind es sehr schmale, aber ewig lange Grundstücke.

Da sind Grundstücke mit 2 Hektar aka 20.000 Quadratmetern mit einer Abmessung von 20 Meter Breite, aber 1 Kilometer Länge keine Seltenheit. Senor Alberto auf dem Bild hat auch ein solches Stück Land. Auf diesem Kilometer Länge kann dann alles dabei sein. Ein Bachdurchlauf, ein Berghang, Wald, Feld, Wiese oder von allem etwas.

Wenn es ein gerades Stück mit guter Erde ist, dann bedeutet es nicht, dass man dann eben mal fix diese 2 Hektar beflanzt, denn dafür benötigt es erst mal einiges an Geld für das Saatgut, Bewässerungsmöglichkeiten je nach Pflanzen- oder Gemüsesorte, Abschattungen usw.

Zudem kommt das Problem, dass hier noch sehr regionale und saisonale Vertriebswege und Angebote/Handel herrschen. Wenn z.B. Paprikazeit ist, dann herrscht eben davon ein Überangebot und die Preise gehen in den Keller. Das ist dann aber extrem spürbar. Kostet bspw. ein Kilo Tomaten während der typischen Erntezeit hier in der Region zwischen 3.000 - 4.000 GS was umgerechnet derzeit 50 Cent wären, dann kostet die Importware aus Argentinien oder Chile auch mal 22.000 GS - also das Fünffache.

So ist das mit fast allen Produkten. Ob Fleisch, Obst, Gemüse oder auch Dinge wie Zucker, Maismehl oder andere Grundlebensmittel. Also ist Monokultur mit viel von einem in einem gesunden regionalen Kreislauf schon mal vollkommener Unsinn. Widerspricht völlig der Natur.

Alberto hat ein typisches einfaches paraguayisches Haus direkt an der Strasse und wohnt dort mit Frau, Bruder & Frau und Nichte in 2,5 Zimmern. Eben ein Wohn-Ess-Aufenthaltsraum in dem dann noch ein grosser zusätzlicher Kühlschrank steht, in dem kalte Getränke sind, die er verkauft. Dosenbier, Softdrinks, Wasser. Und Zigaretten. Ein Duschbad und ein Schlafraum. Weil Alberto wegen den wenigen Durchreisenden oder nur vereinzelten Nachbarn unter der Woche eher selbst sein bester Kunde ist, ist der aber auf eine clevere Idee gekommen.

Der hat auf dem Grundstück eine Reihe Manjoka angepflanzt. Quasi die Südamerikanische Kartoffel. Aber nicht die Süsskartoffeln. Das ist wieder etwas anderes. Manjoka eben :D - dazu vielleicht mal ein ganz eigener Post. Neben der zwei Meter breiten, aber fast 800 Meter langen Reihe Manjoka waren dann zwei Reihen Paprika. Auch so knapp zwei Meter - dann war noch ein Meter Rest für eine Fussweg. Die restlichen 15 Meter hat er zu einer Pferderennstrecke umfunktioniert. Startboxen mit 150 Meter, 300 Meter und 500 Meter Ziel.

Ideal für die typischen Pferderennen auf dem Umland. Ist ja sonst nicht so viel los. Da trifft man sich dann regelmässig am Wochenende zum Wettstreit der ganzen Pferdebesitzer aus der Umgebung und ein grosser Teil der Anwohner der Gegend kommen als Zuschauer. Laute Musik, sein Wochenendbier trinken und zwischen durch auf die einzelnen Rennen der antretenden Reiter wetten. Da läuft die Party.

Dann brummt dann auch Albertos Dosenbiervertrieb, der sich ja direkt am Eingang zum Party- und Startbereich der Rennstrecke befindet. Da war dann immer die ganze Familie im Einsatz. Ich denke das hat dann auch immer die leicht negative oder Nullwoche wieder gut ausgeglichen.

Es ist jetzt schon 5 Jahre her, als ich das letzte mal dort war. Vielleicht sollte ich nicht trotz, sondern gerade wegen Corona mal dort vorbei schauen. Auf dem Land ist man da nicht so.

Hardere nicht mit dem, was du nicht hast! Erfreue dich an dem WAS du hast.

An dieser Einstellung wird sich bei ihm nichts geändert haben. Da bin ich mir sicher.

Das Bild ist nicht aktuell, aber aus meinem eigenen Bestandsarchiv. Aufgenommen mit einer mittlerweile 10 Jahre alten Nikon D3000 die aber trotz Hitze und Staubschlachten nach wie vor ihre Aufgabe gut erfüllt. Lediglich die Seite des Datenempfängers für die Bildertransfers VON der Cam zickt herum.

Dies ist Bildbeitrag für die Ausgabe 66 des BW Photography Post von @axeman

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 2 months ago 

Schönes Foto, Alberto sieht sehr zufrieden und glücklich aus :)

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Danke schön!

Alberto sieht sehr zufrieden und glücklich aus :)

Das sieht zum Glück nicht nur so aus. Diesen Eindruck machte er IMMER, wenn ich ihn getroffen habe.

Spannend, mitten aus dem Leben in Paraguay einen kleinen Einblick zu bekommen. Einigen "Stimmen" zufolge, soll Paraguay das Paradies für deutsche Auswanderer sein.

Hi @ivonne,

danke für deinen Kommentar.

Einigen "Stimmen" zufolge, soll Paraguay das Paradies für deutsche Auswanderer sein.

Kann, Könnte es für fast jeden sein. Aber der Knackpunkt ist die DEFINITION von Paradies. Ich habe in all den Jahren viele kommen, aber auch viele DACHler wieder von hier gehen sehen, weil die eben eine ganz andere Definition von Paradies hatten. Für Viele ist ja auch ein vollkommen durch struckturiertes, überbürokratisiertes Lebens-, Arbeits- und Freizeitgerüst in ihrem Leben super, weil man dann selbst nicht viel denken muss und vor allem kaum noch Verantwortung auf seinen Schultern tragen "Muss".

Sich auf manche fehlenden oder eben anders gestalteten Infrastrukturen einzustellen, ist für sehr viele gedanklich kein Problem, aber wenn du dann mal im Reallife 2 Wochen keinen Strom hast, dann merkst du schnell den Unterschied zwischen geplantem Camping-Eventurlaub und der Realität. Ohne Strom kein Wasser, etc. Da ist schon Flexibilität gefordert mit denen dann gerade Mitteleuropäer oft irgendwann nicht mehr klar kommen. In Situationen, wie aktuell, merkt man das besonders stark.

Wie so oft ist auch bei diesem Thema das reale Leben weit von der Theorie entfernt. Zuviel wird in der "zivilisierten Welt"als selbstverständlich angesehen:
Ich öffne den Wasserhahn und - super - es kommt Wasser.
Ich drehe den Hahn - super, das Wasser wird warm und
ich kann es angeblich sogar problemlos trinken.
(Anm.: ich trinke es nicht)

Dieser Luxus wird nicht mehr von vielen Menschen wahrgenommen.

Dieser Luxus wird nicht mehr von vielen Menschen wahrgenommen.

Das trifft es auf den Punkt, aber genau aus diesem Grund trifft es dann jemand, der das gar nicht mehr wahr genommen hat, dann besonders hart, wenn es auf einmal fehlt.

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