Von Greta, Greisen und ihren Lagern

in #thunberg2 years ago

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Ich vermeide es hier politisch zu werden. Viele Menschen neigen dazu sehr stark emotional zu projeziieren und im besten Fall wundert sich Gegenüber darüber, wieso mit einer solchen Härte auf ihn eingedroschen wird. Trifft es nicht so gut, dann ist die Gegenseite auch nicht reflektiert und sie beginnt in der gleichen Art und Weise auf den Aggressor loszugehen. Am Ende hat man dann nur den Beweis dafür erbracht, dass wir Menschen eben vom Primaten abstammen und uns in Streßphasen mit Scheiße bewerfen und laut rumbrüllen bis der Eindringlich das von einem beanspruchte Terrain wieder verlässt.

Gerade hier in Deutschland ist die Diskussionskultur in einer Art und Weise destruktiv, dass es mich oft sehr beschämt überhaupt dazu zu gehören. Wir sind eine Gesellschaft, die es verlernt hat vernünftig zu diskutieren und Argumente auszutauschen oder gar Kompromiss zu finden. Wir lieben es das Gegenüber zu verletzen, zu vereinnahmen und alles nieder zu machen, dass nicht unsere Meinung ist. Das man vielleicht ja sogar selbst falsch liegt mit seinen Ansichten würde den meisten Bürgern gar nicht in den Sinn kommen.

Für mich ist dies oft wie die berühmte Stelle aus 1984 in der sich die Bevölkerung zum 2-Minuten-Hass täglich treffen um kollektiv die Verachtung gegenüber den Feind zum Ausdruck zu geben:

„In einem lichten Augenblick ertappte sich Winston, wie er mit den anderen schrie und trampelte. Das Schreckliche an der Zwei-Minuten-Hass- Sendung war nicht, dass man gezwungen wurde mitzumachen, sondern im Gegenteil, dass es unmöglich war, sich ihrer Wirkung zu entziehen. Eine schreckliche Ekstase der Angst und der Rachsucht, das Verlangen zu töten, zu foltern, Gesichter mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern, schien die ganze Versammlung wie ein elektrischer Strom zu durchfluten, so dass man gegen seinen Willen in einen Grimassen schneidenden, schreienden Verrückten verwandelt wurde. Und doch war der Zorn, den man empfand, eine abstrakte, ziellose Regung, die wie der Schein einer Blendlaterne von einem Gegenstand auf den anderen gerichtet werden konnte.“ - George Orwell – 1984

Aus genau dem gleichen Grund mag ich Politik hier im Netz überhaupt nicht. Es ist meist mehr als nur ein 2-Minuten-Hass, aber bei so mancher Diskussion kommt mir in den Sinn wieviele Familienväter dort wohl darunter sind, die sich im Netz austoben und danach dann wieder brav zu ihren Familien gehen und ein ganz normales Leben führen. Bei dem dann so mancher wieder zur Arbeit geht und die Kollegen über ihn sagen:“Der ist eigentlich ein ganz ruhiger Typ“. Mir macht so etwas bei näherer Betrachtung irgendwie Angst.

Genauso blicke ich ein wenig mit Sorge auf die aktuelle Diskussionskultur rund um die „Fridays for Future“ und das eben die Jugend aufbegehrt für eigene Ziele. Und falls jemand nun bereits wieder das Adrenalin in sich verspürt, sollte er ein wenig tief durchatmen und einmal ganz in Ruhe weiter gehen. Mir geht es nämlich überhaupt nicht um die „Future“ an sich.

Ich glaube ich habe hier oft bereits genug zum Ausdruck gebracht, dass ich ein Freund von Nachhaltigkeit bin, aber keineswegs ein Öko. Ich glaube, dass man nicht auf dem großen Fuss leben sollte, sondern immer ein wenig im Sinn haben wie groß der Kostennutzenfaktor einer Sache ist. Ein kompakter Wagen ist mir wichtiger als ein Sportwagen. Ich kann meine Sachen beim Supermarkt auch in einer Ikea-Tasche einpacken und brauche keine Plastiktüte.

Aber ich glaube nicht daran, dass man mit Verboten Umweltproblemen nachkommt. Jeder gibt sein Lippenbekenntnis ab etwas zu tun und am Ende siegt eben doch der Komfort. Daher bin ich Technologiegläubiger und denke, dass wir nur durch technischen Fortschritt und der Entwicklung genauso komfortabler Lösungen, die nur nachhaltiger sind den einzigen Weg aus dieser Krise finden werden.

Gleichzeitig bin ich noch nicht alt und doch soweit weg von der Jugend, dass ich nicht mehr daran glaube, dass es in der Gesellschaft „einfache“ Lösungen für Probleme gibt. Zu unterschiedlich und verwegen sind die Interessen einzelner Personengruppen.

Aber wenn ich die Reaktionen auf Greta Thunberg und ihren Mitdemonstranten im Netze sehe, wird mir wirklich speiübel. Ein geballter Hass in einer Art und Weise wird ihnen entgegen gebracht, dass ich mich wirklich fremdschäme. Das fängt mit eher „harmlosen“ Dingen an wie ihrem Autismus. Und obwohl die meisten Menschen vermutlich überhaupt gar keine Ahnung haben, was die Asperger-Form überhaupt vom klassischen Autisten unterscheidet, wird dies als Instrument der Herabwürdigung genommen.

Was kann Greta den für ihre Erkrankung? Es ist eine Form von Krankheit, die man sich nicht aussucht oder eine Folge eines ungesunden Lebensstils ist. Es macht die soziale Interaktion für sie schwer und sich entsprechend vernünftig auszudrücken. Umso mehr sollte man vielleicht hinsehen, wenn sie sich trotz allem vorne in der Öffentlichkeit hinstellt und etwas sagt.

Was wollen uns also jene Leute sagen, die versuchen ihre Glaubhaftigkeit über die „Krankheit“ anzugreifen. Das Menschen mit „Behinderungen“ (jedlicher Art) kein Recht darauf haben in der Gesellschaft ihr Anliegen vorzutragen? Das man als Betroffener einfach die „Fresse halten“ solle und sich still und schweigend zurück in die eigenen 4 Wänden zurück ziehen muss. Das es Menschen gibt deren Meinung mehr wiegt als die anderer?

Aber wie gesagt wir sind da ja noch im harmlosen Spektrum. Man solle gegen die Schulschwänzer „Polizei“ und „Wasserwerfer“ einsetzen. Gewalt als ädaquates Mittel des politischen Meinungsaustausches? Und das ausgerechnet von der 68-Generation, die selbst den ganzen Tag nur bekifft in der Wohnung gehockt hat und über Weltfrieden sinniert hat? Polizei setzt man gegen Straftäter ein und nicht gegen Kinder und Jugendliche. Schuleschwänzen ist übrigens keine Straftat und damit Sache der Polizei, sondern Aufgabe des Ordnungsamtes und primäres Ziel sind dabei die Eltern.

„Früher hätte man die ins Arbeitslager gesteckt“ echauffiert sich ein vermutlich bereits älterer Herr und ein anderer steht ihm applaudierend bei: „Und vergast hätte man die auch!“. Da fragt man sich schon ein wenig, ob es sich hierbei vielleicht um ein geschickt choreographisch einstudiertes Theaterstück handeln könnte, wenn der eine Teil etwas denkt und versucht dies zu kaschieren... und gleichzeitig ein anderer es offen ausspricht und damit sofort zu nichte macht.

Das wir hier unlängst das demokratische Spektrum verlassen haben, brauche ich hoffentlich niemanden mehr zu erklären. Wir vergasen nämlich bereits schon eine ganze Weile nicht mehr Leute, die uns nicht in den Kram passen. Und auch Arbeitslager gehören nicht unbedingt zu den zeitgemäßen Umgang mit Straftätern aus eben so diversen Gründen.

Normalerweise ist das „Kind“ ja die heilige Kuh des Deutschen und jeder wird sich flammenden Herzens dazu bekennen, dass diese unsere Zukunft seien. Merkwürdiger weise bekommen die beiden Herren daraufhin viel Zustimmung im Netz. Kinder vergasen ist okay, solange es eben nicht die eigenen sind und nur ein abstrakter Feind. Eine autistische Anomalie mit bösen Blick, die einem wagt zu Widersprechen?

Ein solches „Todschlagargument“ ist natürlich für eine politische Diskussion eine sehr zweifelhafte Art und Weise mit dem Thema umzugehen. Und ein jeder der zu dieser klatschenden Mob gehört, sollte dringend ein wenig Baldrian nehmen und sich einmal fragen, was da eigentlich so im Moment der Entgleisung von statten geht. Denn aus meiner Sicht liegt hier durchaus bereits der psychologische Gefährdungstat vor und bedarf eine Krisenintervention.

Versuchen wir also einmal den Gesamtkontext zu verstehen. Kinder, die unserer Ansicht nach die Zukunft darstellen, begehren auf gegen die Älteren, da sie Angst haben keine Zukunft mehr zu haben. Oder noch abstrakter gesagt, weil wir für unsere Zukunft Ziele anpeilen, die keine für sie sind. Wir können sie natürlich nun dazu zwingen, würden aber nur einen Haufen von frustrierten Kindern erhalten, die uns am Ende hassen würden. Das ist eine valide Zukunftsoption! Aber vielleicht eben doch eine andere als viele von uns im Sinn kommt.

Gleichzeitig stehen diese jungen Leute einer immer stärker wachsenden Gruppe von älteren Gegenüber. Das demographische Problem ist eben nicht nur ein finanzielles, sondern auch ein Gesellschaftliches. Wie stellen wir eigentlich sicher, dass Zukunftsthemen nicht vollends an uns vorbei gehen? Sind vielleicht Themen wie Schulden, Umwelt oder das Internet nicht Themen, die besser bei jenen aufgehoben sind, die auch noch damit leben müssen und nicht bereits in einigen Jahren abdanken?

Früher gab es Prozesse, dass man versuchte die Fähigsten in Positionen zu kriegen. Und ja ein solider 80-jähriger, der sich ein Leben lang mit dem Aufbau des Internets befasst hat, kann dort vielleicht auch wesentlich mehr beisteuern als ein 15-jähriger Twitter-Nutzer. Es geht hier nicht um eine Form von Altersdiskriminierung! Aber jeder sollte einmal ehrlich sein, wie oft er in der Gesellschaft erlebt, dass völlig inkompetente Menschen glauben die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben und sich entsprechend profilieren.

Vielleicht muss man da eben auch bei einigen Themen einmal erlauben, dass Betroffene im Gestaltungsprozess beteiligt werden. Die Demokraten dieses Landes tun dies. Fast überall gibt es auf kommunaler Ebene Formen der Jugendbeteiligung. Fast überall werden diese nicht genutzt. Denn ein 18-Jähriger will auch nicht darüber befinden wie der Spielplatz ausgebaut wird. Auch der erkennt, dass die wichtigen Entscheidungen und Budgets von oben gegeben werden.

Aber als Gesellschaft sollte es uns vielleicht mehr interessieren, dass wir jeweils die besten Leute in die Position kriegen. Und wenn uns dies nicht gelingt, dann wenigstens jene die die Suppe auslöffeln müssen. Altern bedeutet eben auch Weisheit zu erlangen und dazu sollte auch gehören zu erkennen, dass man nicht mehr bei allen Themen mitreden kann. Das geht mir sogar manchmal schon so! Und das obwohl ich mich für sehr offen halte und viel lese.

Wahre Größe bedeutet eben auch einmal einzugestehen, wenn man etwas nicht mehr vollends versteht und sich nicht umso fester an etwas zu klammern, je mehr es einen innerlich verbrennt. Das Zepter an die nächste Generation sollte man nicht dann abgeben, wenn man in die Kiste springt, sondern eben dann, wenn man merkt, dass diese bessere Entscheidungen trifft als man es selbst tun könnte.

Lassen wir nun die Freunde des Gases auf unsere frustrierten Kinder los, während wir stillschweigend oder gar applaudierend an der Seite stehen, was soll das Ergebnis sein? Irgendwann geraten die Fronten aneinander und es entlädt sich. Ja, es gibt Leute die diskutieren bereits heute über Autofreie Dörfer. Ich laufe regelmäßig kreidebleich an und frage mich in was für einer Welt diese Leute eigentlich zu Hause sind. Ich will keine Ökodiktatur in diesem Land. Ich will auch keine Diktatur mit Vernichtungslagern. Ich will eigentlich überhaupt keine Diktatur!

Natürlich sind nicht alle Forderungen von Greta und Co umzusetzen. Ich habe mich zeitlebens gegen Kernenergie eingesetzt aus diversen Gründen. Und ich habe diese Entscheidung nicht auf Grund eines emotionalen Affekts getroffen, sondern wohlüberlegt. Eben auch mit dem Wissen, dass ich dafür einen Preis zahlen werde. In Form der Stormrechnung, in Form von anderen Technologien, die ebenfalls negative Aspekte haben. Und trotzdem habe ich mich bewusst dafür entschieden. Tritt nun eine Greta auf und fordert über Kernenergie nachzudenken, dann löst dies in mir Betroffenheit aus.

Aber man sollte ihnen auf normale Weise begegnen, ihnen zuhören und versuchen ihre Argumente zu entkräften. Gelingt dies nicht, könnte es ein Indikator dafür sein, dass sie vielleicht im Recht sind. Und wer weiß, vielleicht entsteht in diesem (gar demokratischen) Prozess ja durchaus das eine oder andere in dem die „Profis“ sagen, dass man mit wenig Aufwand eine ganze Menge erreichen könnte.

Man denke nur mal an die Tierversuchdiskussionen in den 90er. Die einen schreien „Die Tiere, die Tiere!“. Auf der anderen Seite stehen Leute, die sich verwundert die Augen reiben und sich fragen, ob man dort gerade wirklich fordert pharmazeutische Mittel direkt am Menschen oder gar überhaupt nicht mehr zu entwickeln. Und natürlich haben die Tierschützer unrecht gehabt. Trotzdem haben wir eben vermutlich gerade aus den Diskussionen von damals heutzutage synthetische Haut, die nicht nur wesentlich mehr Informationen über die Beschaffenheit von Mitteln liefern kann, sondern auch noch günstiger sind. Ganz ohne Tierversuche.

In diese Richtung sollte man in der Diskussion denken. Sich fragen, wo eigentlich das Problem der Kinder und Jugendlichen sind und ob man diese zumindest in Form von Kompromissen einfach heilen kann. Oder eben dadurch, dass man die Rädelsführer mit in die Verantwortung nimmt und ihnen aufzeigt, dass etwas zu fordern eine andere Sache ist als es umzusetzen. Das man eben auch für seine Ziele immer einen Preis zahlen muss und dieser benannt werden muss. Das alles im Leben nur ein Trade-Off zwischen unterschiedlichen Optionen ist.

Vielleicht sollten wir dies künftig unseren Kindern eher vermitteln als das emotionale Ausbrüche, Gewalt und ... Lager... ein vernünftige Gestaltungsmöglichkeit für die Zukunft ist. Denn blicke ich so in die Kommentare unter so manchen Artikel, dann bin ich fast froh darüber, dass die Kinder noch so konstruktiv damit umgehen und nicht durch die Straßen laufen und Autos abfackeln. Darüber das sie einen demokratischen Prozess wählen und von der Politik mehr Aktivität fordern.

Dies ist wesentlich weiser als so manches Verhalten jener, die angeblich über bereits ach so viel Lebenserfahrung verfügen. Aber jede Gesellschaft bekommt die Kinder, die sie verdient. Und da kommen wir Erwachsenen wirklich noch mit einem blauen Auge davon und regen uns auf hohem Niveau auf. Wartet erst einmal ab bis die Kinder wieder zur Schule gehen, Mathematik lernen und nachrechnen was die Rentenanpassungen der letzten Jahre eigentlich für sie bedeuten...

Ohne mich also thematisch auf eine Seite stellen zu wollen, muss ich objektiv anmerken, dass bei vielen Leuten in der Gesellschaft scheinbar sehr schnell eine Sicherung rausfliegt. Wir wären alle sehr gut beraten, wenn wir darüber häufiger ein wenig sinnieren würden und unseren 2-Minuten-Hass lieber durch eine Atmenübung daheim ersetzen würden. Ein zunehmende Emotionalisierung von politischen Diskussionen wird uns nämlich weit weg von dem führen, was wir als Gesellschaft leisten könnten. Und unterm Strich vermutlich größeren Schaden als eine globale Klimaerwärmung...

Und um es nochmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Es geht mir in diesem Beitrag keineswegs um Greta oder Ökologie. Ich prangere die Diskussionskultur mancher angeblich erwachsener Menschen im Netz an und mahne dazu ein wenig häufiger den Kopf einzuschalten. Was dann als Ergebnis dabei rauskommt, lasse ich bewusst offen.

Sort:  

Am Ende hat man dann nur den Beweis dafür erbracht, dass wir Menschen eben vom Primaten abstammen ...

Homo sapiens stammt nicht nur von Primaten ab, er ist ein Primat.

Aber ich glaube nicht daran, dass man mit Verboten Umweltproblemen nachkommt.

Singapur ist sauber ...
Angesichts des offensichtlich extrem mangelhaften Umweltbewusstseins vieler Mitbürger (Beispiele finden sich hier, hier und hier), hat sich mittlerweile bei mir der Standpunkt herausgebildet, dass es ohne Verbote und deren konsequente Durchsetzung (leider) nicht geht. Ich habe in dieser Hinsicht (früher noch auf die Vernunft meiner Mitprimaten setzend) mittlerweile meine Meinung geändert, was nicht gleichbedeutend damit ist, mir Singapur zum Vorbild zu nehmen.

Deinen Anmerkungen zur Diskussions(un)kultur stimme ich zu.

Homo sapiens stammt nicht nur von Primaten ab, er ist ein Primat

Was die Originalaussage nicht weniger verwässert. Manchmal ist es eben einfacher zu erkennen wovon man abstammt als zu erkennen, was man ist. ;)

Angesichts des offensichtlich extrem mangelhaften Umweltbewusstseins vieler Mitbürger (Beispiele finden sich hier, hier und hier), hat sich mittlerweile bei mir der Standpunkt herausgebildet, dass es ohne Verbote und deren konsequente Durchsetzung (leider) nicht geht.

Das ist nicht das was ich meinte und Du reißt einen Satz ein wenig aus dem Kontext. Natürlich benötigt es Gesetze und deren Einhaltung. Und auch bei den von Dir genannten Beispielen wird es kaum jemanden geben, der nicht zustimmen würde. Aber wenn es Leute gibt, die "autofreie Dörfer" oder Veggie-Days fordern, dann ist man auf einem Holzweg. Weil dies immer einen großen Widerstand in großen Teilen der Gesellschaft auslöst. Am Ende kloppen diese Teile dann aufeinander ein und am Ende kommt nichts dabei rum. Das eigentliche Problem bleibt erhalten.

Ich bin mir sehr sicher, dass man viele der Probleme durchaus mit entsprechender gesellschaftlicher Anstrengung lösen könnte, wenn wir uns auf dessen Beseitigung fokusieren würden und nicht nur darauf wie wir sie verbieten können. Denn dann landen wir entweder in einer Ökodiktatur oder es bleiben Schlupflöcher und der Komfort siegt am Ende. Beides sollten wir uns bei einigen Themen nicht mehr leisten.

Manchmal ist es eben einfacher zu erkennen wovon man abstammt als zu erkennen, was man ist ...

... zumal der Satz "Du Primat!" nicht selten als Beschimpfung zur Anwendung kommt. Nennte mich jemand so, antwortete ich gelassen "Ja, so ist das wohl." :)

Du reißt einen Satz ein wenig aus dem Kontext.

Das sehe ich nicht so. :)
Du hast ja erst jetzt deine Aussage weiter spezifiziert ("autofreie Dörfer"), während ich zunächst einmal las, du hieltest allgemein nicht viel von Verboten, um die Umwelt zu schützen (was ja auch ein legitimer, von dem meinen aber abweichender, Standpunkt gewesen wäre).

Und auch bei den von Dir genannten Beispielen wird es kaum jemanden geben, der nicht zustimmen würde.

Was das Handeln betrifft, offensichtlich doch ... sonst sähe es nicht aus, wie es aussieht!

Aber wenn es Leute gibt, die "autofreie Dörfer" oder Veggie-Days fordern, dann ist man auf einem Holzweg. Weil dies immer einen großen Widerstand in großen Teilen der Gesellschaft auslöst.

Ganz prinzipiell: Sofern ich von etwas überzeugt bin, vertrete ich es selbst dann, wenn es Widerstand auslöst.
Jetzt zu den einzelnen Punkten:

  • Dass irgendjemand "autofreie Dörfer" gefordert hätte, ist mir nicht bekannt (man lernt nie aus). Ich halte das ebenfalls (ohne extrem gut ausgebauten öffentlichen Nahverkehr) nicht für praktikabel.
  • Mit dem "Veggie-Day" haben sich die Grünen in der Tat selbst ins Knie geschossen (obwohl mir die Aufregung über diesen Vorschlag teilweise auch etwas gekünstelt-übertrieben erschien). Die Idee, in Kantinen öfter zusätzlich auch vegetarische Alternativen anzubieten, finde ich klasse (sie wird auch nicht selten bereits umgesetzt). Das jedoch an ein Fleischverbot koppeln zu wollen, war m. E. unsinnig und kontraproduktiv.

Ich bin mir sehr sicher, dass man viele der Probleme durchaus mit entsprechender gesellschaftlicher Anstrengung lösen könnte, wenn wir uns auf dessen Beseitigung fokussieren würden und nicht nur darauf wie wir sie verbieten können. Denn dann landen wir entweder in einer "Ökodiktatur" oder es bleiben Schlupflöcher und der Komfort siegt am Ende.

Selbstverständlich ist Umweltverschmutzung, wie beispielsweise 'Littering', letztlich ein Symptom tiefliegender gesellschaftlicher Probleme (Bildungssystem, Eltern, denen keine Zeit und Energie verbleibt, sich hinreichend um die Erziehung ihrer Kinder zu kümmern etc.).
Solange diese Ursachen jedoch nicht beseitigt werden, muss m. E. konsequent gegen Umweltverschmutzer vorgegangen werden. Wenn Autofahrer für zu riskantes Fahren Strafen zahlen müssen, spricht in der Regel eher selten jemand von einer "Verkehrsdiktatur" ... ich halte es eben auch nicht für eine "Ökodiktatur" wenn beispielsweise Hundehaltern, die den Kot ihrer Lieblinge nicht beseitigen, Strafen nicht nur per Schild angedroht, sondern diese ab und zu eben auch verhängt werden. :)

Du reißt einen Satz ein wenig aus dem Kontext.
Das sehe ich nicht so. :)

Ich sehes es trotzdem noch so ;) Weil eben der ganze Paragraph und auch der davor das ganze ein wenig eingrenzt:

Aber ich glaube nicht daran, dass man mit Verboten Umweltproblemen nachkommt. Jeder gibt sein >Lippenbekenntnis ab etwas zu tun und am Ende siegt eben doch der Komfort. Daher bin ich >Technologiegläubiger und denke, dass wir nur durch technischen Fortschritt und der Entwicklung >genauso komfortabler Lösungen, die nur nachhaltiger sind den einzigen Weg aus dieser Krise finden >werden.

Ich will hier nicht sagen, dass es keine Verbote geben sollte. Sondern das ich glaube, dass diese keine effektive Lösung darstellen und man wann immer möglich technologische Lösungen favorisieren sollte. Über Singapur schwebt CO2 eben genauso herum wie bei uns. All das was es produziert wird ja nicht aus Boshaftigkeit genutzt, sondern weil es einen konkreten Nutzen stiftet. Es zu verbieten führt außer Konflikt zu nichts. Dann brauchen wir eben eine andere Infrastruktur die genauso komfortabel ist, aber die Probleme löst, die man versucht zu bekämpfen. Alles andere wird dazu führen, dass Leute mittel suchen um sie zu umgehen.

Du hast ja erst jetzt deine Aussage weiter spezifiziert ("autofreie Dörfer"), während ich zunächst einmal >las, du hieltest allgemein nicht viel von Verboten, um die Umwelt zu schützen (was ja auch ein legitimer, >von dem meinen aber abweichender, Standpunkt gewesen wäre).

Wir sind an der Stelle auf unterschiedlichen Ebenen unterwegs. Als ich dies schrieb dachte ich weniger an Hundekot vor der Tür, sondern eher an den Klimawandel in einer globalisierten Welt. Dort macht es IMHO absolut kein Sinn über das Verbot von Autos zu diskutieren. Da brauchen wir alternative Technologien mit ähnlichen Komfort und entsprechender Infrastruktur. Nur das wird etwas lösen. Und wenn wir diese nicht haben, dann muss eben der Nahrverkehr kostengünstig und alternativlos gemacht werden. Alles was dem Komfort der Leute hinderlich ist, wird ansonsten (bedauerlicherweise) auch von diesen irgendwie umgegangen.

ich halte es eben auch nicht für eine "Ökodiktatur" wenn beispielsweise Hundehaltern, die den Kot ihrer Lieblinge nicht beseitigen, Strafen nicht nur per Schild angedroht, sondern diese ab und zu eben auch verhängt werden. :)

Ich auch nicht. Mir schwebt beim Begriff "Ökodiktatur" etwas anderes im Sinn. Nämlich der Versuch zum Schutze der Ökologie in den Zugriff des Konsums der Menschen tiefgehend einzugreifen. Kein Fleisch, kein Auto, keine Elektrik... eine Art Amish Comunity mit Veggie-Verordnung. Und ich kenne durchaus Leute, die das sofort umsetzen würden.

Was dein konkretes Beispiel angeht, kann ich nur soviel sagen... es liegt meist schlichtweg daran, dass die Ordnungsämter zu Schwach ausgestattet sind um dies flächendeckend zu kontrollieren. Hier schafft man es ja oft nicht einmal Naturschutzgebiete von Wildcampern zu bewahren. Das ist absolut traurig ohne zweifel und oft schwer nachzuvollziehen, was da in den Köpfen der Leute eigentlich schief läuft.

Das regionale Kotproblem haben wir ein wenig im Griff bekommen durch das Aufstellen von mehr Mülleimern an den typischen "Gassi"-Wegen. Schafft man es dann noch, dass jedes Mal, wenn irgendwo Sauerei abgeladen wird, dass kollektiv über die Hundesteuer dem Verursacher zurückzuführen und kommunziert dies auch so, wird man sicherlich den einen oder anderen Hundehalter dazu motivieren mit dem Ordnungsamt zu kollaborieren und ein Auge darauf zu werfen.

Natürlich wird man Dinge verbieten müssen. Dies sollte aber meiner Meinung nach stets der letzte Schritt in einer Kette vom Diskussionen sein und nicht direkt am Anfang stehen. Eben dann wenn Technologie und Alternativen keine Abhilfe bringen. Wir können ja schlecht Roboter bauen, die dann den Kot wieder zurück in den Hund schieben. ;)

Ich will hier nicht sagen, dass es keine Verbote geben sollte. Sondern das ich glaube, dass diese keine effektive Lösung darstellen und man wann immer möglich technologische Lösungen favorisieren sollte.

Beides schließt sich gegenseitig nicht aus. Neue Technologien einzusetzen wird in vielen Bereichen dringend notwendig sein.

Über Singapur schwebt CO2 eben genauso herum wie bei uns.

Dass an Hauswänden oder Eisenbahnwaggons Singapurs keine Graffiti prangen, keine Kaugummis am Boden kleben und dieser überdies nicht mit Hundekot und Zigarettenkippen übersät ist, stellt schon für sich allein betrachtet ein ganz dickes Plus an Lebensqualität dar. Ich will damit sagen, dass selbst wenn ein Kleinstaat wie Singapur allein die Klimaerwärmung natürlich nicht aufhalten kann, Anstrengungen in vielen Bereichen des Umweltschutzes dennoch ganz offensichtlich positive Auswirkungen zeitigen.

Auch die Qualität der unmittelbaren Atemluft erreicht durch eine deutlich höhere Elektroautodichte (Stichwort E-Taxis von BYD) als hier sowie die auf vielen Dächern und Fassaden gedeihenden Pflanzen eine gute Qulität (sofern nicht gerade in Indonesien angezettelte Waldbrände Unmengen an Rauch herüberwehen).

Ich weiß von Studenten aus Singapur, die in Hamburg eigentlich Sehenswürdigkeiten besichtigen wollten, aber letztlich angesichts des vielen offen herumliegenden Drecks in einem Land, das sich nach außen hin stets als Saubermann und Ökovorbild zu verkaufen sucht (aber tatsächlich "Verpackungsmülleuropameister" ist), so perplex waren, dass sie fast nur noch Müll fotografierten ...

Prinzipiell wird natürlich ständig versucht, Verbote zu umgehen. Das heißt für mich aber nicht, dass nun z. B. zu schnelles Fahren, Wohnungseinbrüche, Verstöße gegen Emissionsgrenzwerte oder auch das auf der Straße Liegenlassen von Hundkot oder Plastikabfällen einfach toleriert werden sollten.
Für mich sind Verbote teilweise absolut notwendig (und sinnvoll) - solltest du das anders sehen, weil sie ja ohnehin missachtet würden, bleibt nur "to agree to disagree", was ja nicht weiter tragisch ist.

Dort macht es IMHO absolut kein Sinn über das Verbot von Autos zu diskutieren.

M. E. prinzipiell sehr wohl (allerdings nicht in Dörfern, sondern eher in stark verschmutzten Innenstädten). Ich halte überhaupt nichts davon, hier nicht auf den Schadstoffausstoß zu achten, nur weil - sagen wir - Indien ohnehin viel höhere Emissionen habe. Wenn irgendwo die Luft verschmutzt ist, sollten auch lokale Maßnahmen ergriffen werden, das zu ändern, denn es führt ganz direkt - ungeachtet des globalen Schadstoffausstoßes - für die an diesem Ort lebenden Menschen zu einer Verbesserung der Lebensqualität. Aber auch für den globalen Klimaschutz spielt es eine wichtige Rolle, dass irgendwo irgendjemand damit anfängt, seine Emissionen zu reduzieren. Wenn sich alle auf den Standpunkt zurückziehen, die anderen täten ja auch nix, ja, dann tut sich in der Tat nix, und wird sich auch nie etwas tun (abgesehen davon sei angemerkt, dass der pro Kopf CO2-Ausstoß in Ländern wie Indien oder China niedriger ist als der in Deutschland, und in China überdies strengere Grenzwerte für Kohlekraftwerke herrschen als hier).

Und jetzt zur Technik, ja, da rennst du bei mir offene Türen ein ... allerdings wird sich neue Technik umso besser durchsetzen, je eher die Politik die Weichen dafür stellt (und die Bürger das befürworten), ihre Nutzung zu belohnen und umweltschädliche Technologien zurückzudrängen.

In einigen der weiter oben verlinkten Artikel habe ich beschrieben, wie Málaga versucht, das Hundekotproblem mittels DNA-Datenbanken für Hundehalter, ähm ich meine ihre Hunde, in Schach zu halten. M. E. ein vielversprechender Ansatz.

Und jetzt zur Technik, ja, da rennst du bei mir offene Türen ein ... allerdings wird sich neue Technik umso besser durchsetzen, je eher die Politik die Weichen dafür stellt (und die Bürger das befürworten), ihre Nutzung zu belohnen und umweltschädliche Technologien zurückzudrängen.

Dann haben wir in diesem Punkt eben auch absolut die gleichen Ansichten. Es gibt eben viele Punkte an denen man etwas sofort machen kann und einen großen Konsenz hätte. Beim Verpackungsmüll z.B. würdest Du vermutlich bei vielen auch die Türen einlaufen, weil die den Müll eben auch nach Hause und dann wieder raus schleppen müssen. Da kenne ich durchaus einen sehr großen Anteil an Leute, die da bei einer Verschlankung sofort mitgehen würden.

Aber meist fokusiert man sich eher auf utopische Ziele mit Konflikt und am Ende bleibt der Status Quo. Ob dies Strategie oder echte Dummheit ist, darüber habe ich mir final selbst noch keine Meinung gebildet.

Danke für die (sehr) ausführliche Diskussion!
Ich hoffe, du fandest sie, trotz einer gewissen, bei mir immer wieder auftretenden Pedanterie/Sturheit, dennoch nicht ganz uninteressant. :)

Ich kann deinen sympathischen Ansatz, möglichst auf Verbote zu verzichten, übrigens durchaus nachvollziehen. Ich habe früher (lange ist's her) in einer Diskussion mit einem Freund eine ganz ähnliche Position eingenommen, dass Menschen eben aus Verständnis für die Zusammenhänge heraus sinnvoll handeln sollten, nicht aus Angst vor Strafe. Dem Grundsatz nach sehe ich das immer noch so ... leider hat jedoch das Leben meinen Optimismus hinsichtlich der Einsichtsfähigkeit und Vernunftbegabtheit vieler Mitmenschen auf (ein ziemlich niedriges) Normalmaß zurückgestutzt. Mir ist bewusst, mich damit dem Vorwurf auszusetzen, arrogant zu klingen, aber ich kann meine Erfahrungen mit zahlreichen Vertretern der Spezies Homo sapiens auch nicht einfach so ignorieren. :)
(Ich sage allerdings nicht, Menschen würden halt 'dumm' geboren, sondern dass sie oft einfach nicht die Chance erhalten, einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihren Mitmenschen und ihrer eigenen Umwelt zu erlernen.)

Nein, keine Sorge. Solange die Diskussionskultur gewahrt bleibt ist doch alles zu diskutieren.
Ich zähle mich übrigens auch nicht zu den Menschenfreunden und grundsätzlich zum pessimistischen Lager. Aber man sollte sich eben nicht auf das Niveau der Masse herabbegeben, sondern stets versuchen sie hoch zu hieven... auch wenn man nicht an Erfolg glauben mag. ;)

Da brauchen wir alternative Technologien mit ähnlichen Komfort und entsprechender Infrastruktur ...

... die aber damals wie heute politisch nicht gefördert und auch wieder nur von den "bösen Grünen" gefordert werden. Daß massenhaft Patente für Elektroantriebe in den Schubladen der großen Autohersteller versauern, ist ja eigentlich bekannt - außer denjenigen, die das nicht hören wollen.

Ich höre am wöchentlichen Stammtisch gelegentlich Sätze wie "wenn es weniger Autos gibt, verlieren wir Arbeitsplätze". Und das in einer dörflichen Gemeinde, die ein richtiges Verkehrsproblem hat, wie sich bei Bauarbeiten an einer Straße im letzten Jahr zeigte. Also selbst, wenn die Leute etwas vor Augen haben, sind immer noch andere schuld.

Aber wenn es Leute gibt, die "autofreie Dörfer" oder Veggie-Days fordern, dann ist man auf einem Holzweg. Weil dies immer einen großen Widerstand in großen Teilen der Gesellschaft auslöst.

Das tut es.
Aber andersherum gefragt: warum löst es keinen Widerstand oder ein gesellschaftliches Umdenken aus, wenn die 3. Umgehungsstraße gebaut wird, aber nach einem Jahr oder zwei Jahren den Verkehr auch nicht bewältigt? Wenn die Straße voller Autos steht und Anwohner keine Parkplätze finden? Wenn der Paketbote mit seinem Kleinbus auf dem Bürgersteig parkt und/oder direkt an der einen Stelle, an der der Bordstein abgesenkt ist? Wenn beim Wirtshaus Autos auf der nicht als Parkplatz gedachten Freifläche vor dem Haus parken, weil der reguläre Parkplatz keine Autos mehr aufnimmt?

Ich glaube, daß wir eine sehr auf die Rechte des Individuums zentrierte Gesellschaftsmeinung haben und das auch von den großen Parteien (insbesondere den beiden angeblich christlichen) so gefordert und gefördert wird. Man schaue sich nur eine beliebige Aussage von Thomas Amthor an. Wo ist da jugendliche Vision und zukunftsgerichtetes Denken?
Diese Meinungs-Überlegenheit hat dazu geführt, daß in den Köpfen von Menschen aus verschiedenen Generationen alles, was auch nur annähernd nach Umweltschutz und gesellschaftlicher Weiterentwicklung riecht, verteufelt wird. Genau da sind aber meines Erachtens die grundlegenden Probleme, die uns den heutigen Zustand der Umwelt (und auch die inoffizielle Müllkippe am Straßenrand oder die Haufen von Zigarettenstummeln an Bahnhöfen) beschert haben, zu finden. Was vor 30 oder mehr Jahren beschlossen wurde, wirkt auch heute noch.

Ich finde es ehrlich gesagt sehr sympathisch, Veggie Days oder autofreie Straßenzüge zu fordern. Zu letzterem möchte ich zuerst loswerden: es gibt Gemeinden in Deutschland, die keinen Autoverkehr haben - die ost- und nordfriesischen Inseln zum Beispiel - leidet dort jemand an fehlender Lebensqualität, nur weil kein Auto vor der Tür steht?

Wenn man sich bewußt ist, daß man mit einer solchen Forderung eh nicht alle erreicht, wohl aber grundsätzlich einen gesellschaftlichenn Diskurs anstoßen kann, dann sind doch solche Forderungen ein geschickt eingesetztes Mittel. Man sieht doch an den Meldungen über Ausländerkriminalität, wie sehr es die Wahrnehmung von Menschen prägt, wenn ein Thema immer in den Medien präsentiert wird.

Es gibt ja nun auch: eine wachsende Schar von Veganern (und Freunden anderer spezieller Ernährungsformen), Menschen, die auch Strecken von 10+ km einfach täglich mit dem Rad zurücklegen usw. Also ist die Bereitschaft zu einer freiwilligen Selbstkontrolle schon da (und wird von der konservativen Hälfte der Gesellschaft belächelt und marginalisiert). Du selbst fällst einigen dieser Marginalisierungsargumente anheim.

Schau dir einmal die Geschichte der Forderungen nach Einrichtung von Kinder- und Jugendparlamenten an. Diese gab es schon in den Neunzigern, wenn nicht früher. Wer hat sich regelmäßig dagegen ausgesprochen? Die "bösen Grünen" und die "terroristische Linke" waren es nicht ...

Ich folge dir eigentlich wegen deiner Artikeln zu diversen Anlageformen. Die sind sehr interessant. Aber mit diesem Text sprichst du mir so richtig aus der Seele. Glattes Resteem.

Ich habe zu danken. Gerade ich hadere eben auch oft mal zu solchen Themen etwas zu schreiben, weil man eben auch nicht die gewohnten Leser damit nerven will. Aber ich vertrete eben auch die feste Ansicht, dass Investieren nicht nur kassieren bedeutet, sondern eben auch immer eine soziale Komponente mittragen muss.

Entsprechend kann man eben auch nicht schweigen, wenn einige wenige in der Gesellschaft sich auf diese Weise daneben benehmen und mentalen Amoklauf begehen. Wer ernsthaft fordert, dass man gegen eine aufbegehrende, aber friendliche Jugend Gewalt jeder Form einsetzen sollte, gehört in Therapie.

Daher bedeutet es mir auch viel hier Zuspruch erhalten zu haben und nicht nur jene anzuziehen, die sich davon betroffen gefühlt haben. Daher vielen Dank auch meinerseits :)

Wahre Worte. Leider kann ich mich nicht ausschließen, auch zu denjenigen zu gehören, die "schnell auf 180" sind. Eine seltsame Sache und wahrscheinlich liegst du nicht ganz Falsch, mit dem Vergleich zum Scheiße werfenden Affen. :-) Ich glaube so richtig sicher, ist keiner davor.
Deine Argumente wie es besser laufen könnten, klingen logisch. Das muss man sich in solchen Momenten nur irgendwie erinnern können und genau da, liegt der Hund begraben. Wenn es Emotional und Irrational wird, scheint es eine Kunst zu sein, die Beherrschung nicht zu verlieren. Bevor ich mich mal wieder in dieses Verhalten stürze, werde ich an deinen Artikel denken und mich meines Affen seins schämen. :-)
Liebe Grüße
Alucian

Achja Sorry aber:
!sneeze

Wahre Worte. Leider kann ich mich nicht ausschließen, auch zu denjenigen zu gehören, die "schnell auf 180" sind. Eine seltsame Sache und wahrscheinlich liegst du nicht ganz Falsch, mit dem Vergleich zum Scheiße werfenden Affen. :-) Ich glaube so richtig sicher, ist keiner davor.

Nein, absolut nicht. Ich habe mich meist glaube ich recht gut im Griff, aber glaube mir, dass es auch Dinge gibt mit denen man mich schnell auf die Palme bekommt. Meist ärgert man sich dann danach, dass man darauf angesprungen ist. Man kann seine Natur am Ende eben nicht völlig verleugnen. Man muss sich ihrer aber eben auch bewusst sein und da ist es eben auch wichtig zu erkennen, wenn es einen packt.

Deine Argumente wie es besser laufen könnten, klingen logisch. Das muss man sich in solchen Momenten nur irgendwie erinnern können und genau da, liegt der Hund begraben.

Das ist richtig. Zumeist ist der effektivste Weg, dass man bei Dingen, die einen provozieren ein wenig Abstand dazu nimmt. Auch mal eine Nacht darüber zu schlafen, bevor man etwas schreibt. Dann ist wenigstens das Adrenalin raus und manchmal hat man gar nicht mehr so lust auf Krawall. Ist es immer noch da, gibt es ja vielleicht einen guten Grund dafür und man kann näher fragen, was es genau ist.

Also nicht schämen. Einfach immer ein wenig mehr üben, ist ja auch besser für die eigene Gesundheit, wenn man nicht ständig auf 180 ist :)

Darüber schlafen, hilft wirklich Wunder.
Ich schäme mich nur Zeitweise, keine Sorge.
Heute lächle ich über den Mist, den ich früher verzapft habe
und übermorgen über das, was ich heute schreibe.
Zum Glück werden wir nicht Jünger.
Man sagt ja, mit dem Alter kommt die Weisheit.
Danke Dir für die deinige.
(Was nicht heißt, das du Alt sein musst :-)
Liebe Grüße
Alucian

Das stimmt. Sei Dir aber gewiss, dass auch an mir der Zahn der Zeit nagt. Und obwohl man ja angeblich weiser und vielleicht auch ruhiger wird, scheint man ja durchaus auch zunehmend zu resignieren und Frust anzusammeln. Die wahre Herausforderung als vielleicht noch eher junger Mensch ist es wohl nicht irgendwann zu der Gruppe frustrierter Alter zu gehören, die man früher stets ablehnte ;)

Darüber hatte ich es hier sogar mal.
Ich möchte nicht zu den grimmigen alten Säcken^^ gehören und bin mir zum Glück schon lange bewusst, wie leicht es für mich ist, so einer zu werden. :-)

Danke! Kann ich komplett so unterschreiben!

Die "Wahrheit" liegt meist irgendwo in der Mitte und der Rand meint er wäre die Mitte.

Es ist nicht leicht, sich nicht triggern zu lassen.

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Ich würde sogar die Behauptung aufstellen, dass auch die Mitte durchaus sich radikalisieren kann und einen Unrechtsstaat errichten könnte. Aber eine solche Diskussion würde zu weit führen.

Du hast natürlich absolut Recht. Meist sieht man eben die radikalen Flügel, die gegeneinander laufen und am lautesten brüllen. Während die Mitte ein wenig hilflos dazwischen steht. Weil man Angst hat sich zu positionieren. Weil man vielleicht sogar hin und her gerissen ist. Irgendwer muss am Ende aber eben doch mahnend eingreifen, damit die Extreme nicht denken, dass sie die Meinungsführerschaft innehalten.

Jup, das laute Brüllen ist es. Irgendwann werd ich meinen Post dazu auch noch machen. Muss noch ein bisschen reifen.

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Schöner ausführlicher Post und ein klares Resteem.
Verschwörungstheoretiker und rassistische Hetzer werden leider immer mehr, auch hier auf Steem.
Da auch immer weniger Leute sich von Fakten beindrucken lassen, ist es an uns Fakenews usw. anzuprangern.

Ich hoffe doch sehr, dass sie nicht immer mehr werden. Aber ich glaube, dass sich viele die sich nicht zu den Extremen zählen solchen Diskussionen aus dem Weg gehen, weil sie oft eben einfach nur noch nerven. Gerade eben dann, wenn man es mit Unbelehrbaren zu tun hat, die gegen Argumente sowieso immun sind. Das ermüdet oft leider nur noch :-/

Danke dir für deine interessanten Worte! 👍

lieber durch eine Atmenübung daheim ersetzen

Mache ich seit ein paar Monaten öfters um gewisse Dinge zu verarbeiten.... wie das Hilft!

Auch dank meinerseits. Ja, etwas Luft hilft eigentlich immer. Nicht jede Schlacht die einem angeboten wird ist es eben wert auch geführt zu werden. Das erkennt man leider aber eben meist auch nur mit etwas Abstand :-/

Ohne mich also thematisch auf eine Seite stellen zu wollen, muss ich objektiv anmerken, dass bei vielen Leuten in der Gesellschaft scheinbar sehr schnell eine Sicherung rausfliegt.

... und das gerade und auch auf dieser Blockchain. Wie man bei mir nachlesen kann. seufz

Auch nett mal wieder von Ihnen zu hören ;) Sie antworten mir ja leider nicht mehr :'(

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Ja, und ich schrieb auch, wieso.

Das wäre mir tatsächlich entgangen. Wo wollen Sie das denn geschrieben haben?

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Sehe es positiv. Vielleicht hilft es künftigen Generationen noch besser zu verstehen, wie sich etwas überhaupt entwickeln konnte. Beim letzten Mal hat man sich zu leicht rausziehen können damit, dass man ja nichts davon mitbekommen hat und nur wenige den Mut hatten eigene Fehltritt anzuprangern. Das fällt künftig dann vielleicht einfacher ;)

Auch ich habe zu danken dafür, dass Du einem Zuspruch gibst. Gerade als Gemäßigter vergisst man doch oft, dass man eben am Ende nicht alleine damit ist und oft eben doch besser ist nicht nur zu schweigen. :)

Man macht sich damit nicht nur Freunde, ich weis. Es ist allerdings ein wertvoller Dienst am Kunstwerk Steem.

Ich lese Deine Analysen natürlich noch viel lieber. :)

Habe die Nachrichten und die dazugehörigen Diskussionen in den "social" Medias nicht wirklich verfolgt.

Aber du hast die Thematik sehr gut zusammengefasst und deine Meinung teile ich auch. Daher auch von mir ein resteem
Grüße

Vielen Dank dafür. Ich weiß es sehr zu schätzen.

Was das mitverfolgen angeht ist es so eine Sache. Man muss dafür wirklich in der Stimmung sein, sonst ruiniert es eben diese leicht. Als Einstieg reicht da schon mal auf z.B. der Welt ein paar Kommentare zu lesen. Dort sind nicht die radikalsten Forderungen zu finden, aber es reicht zumindest um sich selbst zu fragen, was in den Köpfen einiger Leute vorgibt und wieviel Hass manchmal in diesen steckt.

You have been infected by the King of Disease!

Will you quarantine yourself?

Or will you spread the plague?

King Of Disease

Ja ja die gute Greta - wer weis - wer oder was noch dahintersteckt? Oder kann eine 16 Jährige sich ein PR-Team leisten und bezahlen? Es sei denn sie ist auf einen großen Geldsack geboren worden. Was aber so bestimmt nicht bei Ihr ist.
Nun ja jeder kann sich still und leise seinen Teil dabei denken.

Okay, also jemand der nicht die Aufmerksamkeitsspanne hatte zumindest das TLDR zu lesen? Ich will aber gar nicht so sein und trotzdem darauf eingehen.

Jeder der sich einmal auf kommunaler Ebene ernsthaft politisch beschäftigt hat, wird durchaus schon beeindruckt gewesen sein, welche Schlagkraft 3 Leute mit entsprechender Rückendeckung in einer Bürgerinitiative entwickeln können. Das reicht absolut ein um eine Meinung in die Öffentlichkeit zu tragen und auch über teilweise Jahre aktiv am Leben zu erhalten.

Wie sieht es da wohl aus, wenn man ein globales Thema hat, dass über mehrere Jahrzehnte hinweg die Menschen bewegt. Glaubt da den wirklich irgend jemand daran, dass diese Menschen sich nicht solidarisieren und gemeinsam für ihre Ziele eintreten. SIch aneinander zu stützen, sobald sie merken, dass sie eine Diskussion lostreten können? Dafür braucht man kein Geld, sondern nur ein paar Unterstützer.

Und selbst dann wenn Geld fließt... bei jeder Lobby, bei jedem Unternehmen, bei jeder Partei, die in der Diskussion involviert ist, fließt wesentlich mehr Geld als es eine durch die Gegend reisende Greta benötigen würde. Müsste man da nicht lieber das Geld an sich als gesellschaftliche Einflussnahme anprangern?

Ich denke jeder der sich einmal objektiv damit befasst oder eine BI in seiner Nähe besucht, wird zu einem ähnlichen Schluss kommen, wenn er leise denkt...

Genau, bitte denk doch erst drüber nach, wer alles größere PR-Teams hat, was diese kommunizieren, und überlege dann, ob dein Kommentar angemessen war.

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